Fakten zur Windenergie
In der öffentlichen Debatte und im privaten Austausch sind unterschiedliche und teils widersprüchliche Aussagen zur Windenergie im Allgemeinen und zu wichtigen Aspekten im Detail zu hören und zu lesen. Auf Basis anerkannter wissenschaftlicher Quellen werden in den folgenden Rubriken Fragen zur Windenergie faktenbasiert beantwortet.
Wir haben für Sie die wichtigsten Fakten auch in einem Dokument gesammelt:
Den aktuellen Stand zu den einzelnen Vorhaben in den Landkreisen Ebersberg und München finden Sie auf den Projektseiten.
Stand der Technik
- Nabenhöhe: 166 m – 199 m
- Rotordurchmesser: 160 m – 175 m
- Gesamthöhe: 246 m – 285 m
- Leistung: 5,5 MW – 7,2 MW
Dazu wird der erreichte Jahresertrag einer Windenergieanlage [kWh] durch ihre Nennleistung [kW] geteilt und man erhält die Anzahl der Stunden, die eine Windenergieanlage theoretisch bei voller Leistung betrieben werden musste, um ihren Jahresenergieertrag bilanziell zu erreichen.
Modernste Windenergieanlagen werden also an die lokalen Gegebenheiten angepasst und sind in unterschiedlichsten Kombinationen von Nabenhöhe, Rotordurchmesser und Leistung möglich.
Ertragsprognose moderner Windenergieanlagen (inkl. Sicherheitsabschlag, Verluste durch Abschaltung, etc.) bei uns in der Region:
- ca. 8.000.000 - 12.000.000 kWh Strom pro Jahr
- versorgt ca. 2700 bis 3000 Haushalte
- durchschnittlicher Stromverbrauch eines deutschen Haushalts: 3.000 kWh/a
- durchschnittlicher Stromverbrauch einer Person in Deutschland 1.400 kWh/a

Fundament
- Flachgründiges Fundament
- Tiefe: ca. 1 m
- Durchmesser: ca. 20 - 25 m
- flächiges Betonfundament mit Stahlbewehrung
- Versiegelung durch das Fundament: 450-490 m2
- Standort muss sorgfältig vorbereitet werden
- Tragfähigkeit mittels Bodengutachten sichergestellt
Der Durchmesser des Fundaments, der meist zwischen 20 und 25 m beträgt, und die Tiefe hängen vom Anlagentyp, der Art des Fundaments und der Beschaffenheit des Bodens ab. Bevor eine Windenergieanlage gebaut wird, wird die Tragfähigkeit des Bodens durch ein Gutachten geprüft. So kann sichergestellt werden, dass die Anlage sicher steht. Bei weichem Untergrund müssen zusätzlich Pfähle aus verdichtetem Kies eingesetzt werden. Meistens sind die Fundamente relativ flach (ca. 2- 4 m) und bestehen aus 614 m3 Beton und Stahl.
Ökobilanz
Eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) von 2021 ermittelte für Windenergieanlagen an Schwachwindstandorten Treibhausgasemissionen von durchschnittlich 10,6 g CO?-Äquivalenten pro erzeugter Kilowattstunde Strom. Darin sind Gutschriften für die Wiederverwertung von Materialien am Ende der Anlagenlebensdauer bereits berücksichtigt.
Die Emissionen aus der Herstellung der Anlagenkomponenten verteilen sich im untersuchten Schwachwindszenario wie folgt:
- Turm: 45 %
- Gondel: 18 %
- Fundament: 13 %
- Kabel: 8 %
- Rotorblätter: 7 %
- Nabe: 4 %
- Herstellung der Komponenten: 4 %
- Transporte: 1 %
Die Werte hängen insbesondere von der Anlagentechnologie, den Standortbedingungen und dem Stromertrag ab. In einer neueren Emissionsbilanz aus dem Jahr 2026 weist das UBA für den deutschen Bestand an Onshore-Windenergieanlagen einen durchschnittlichen Wert von 17,58 g CO?-Äquivalenten pro Kilowattstunde aus. Aufgrund unterschiedlicher Berechnungsgrundlagen sind die beiden Werte nicht unmittelbar vergleichbar.
Einsparung von Treibhausgasemissionen durch Windenergie
Den Treibhausgasemissionen aus Herstellung, Betrieb und Rückbau stehen die Emissionen gegenüber, die durch die Erzeugung von Windstrom vermieden werden. Windenergie ersetzt insbesondere Strom aus fossilen Energieträgern und trägt damit wesentlich zum Klimaschutz bei.
Während der durchschnittliche deutsche Strommix im Jahr 2024 einschließlich der Vorketten Emissionen von rund 414 g CO?-Äquivalenten pro Kilowattstunde verursachte, ermittelte das UBA für Windenergie an Land einen Netto-Vermeidungsfaktor von rund 758 g CO?-Äquivalenten pro Kilowattstunde. Dieser höhere Wert ergibt sich daraus, dass Windstrom insbesondere konventionelle Kraftwerke verdrängt und nicht den durchschnittlichen Strommix ersetzt.
Zum Vergleich: In der UBA-Studie von 2021 werden für Braunkohlestrom 1.054 g CO?-Äq./kWh, für Erdgas 433 g CO?-Äq./kWh und für Kernenergie 67,8 g CO?-Äq./kWh angegeben. Diese Werte stammen aus einer älteren Emissionsbilanz und dienen der Einordnung. Sie verdeutlichen insbesondere den erheblichen Klimavorteil der Windenergie gegenüber fossilen Energieträgern.
Quellen: UBA (2026), Emissionsbilanz erneuerbarer Energieträger 2024; UBA (2021), S. 308
Energetische Amortisation
Die energetische Amortisationszeit beschreibt den Zeitraum, in dem eine Windenergieanlage so viel Energie erzeugt beziehungsweise einspart, wie für ihre Herstellung, Errichtung, ihren Betrieb und Rückbau aufgewendet wird.
Laut der UBA-Studie von 2021 liegt diese sogenannte Energy Payback Time bei Windenergieanlagen an Land zwischen 2,5 Monaten an Starkwindstandorten und 3,2 Monaten an Schwachwindstandorten. Die Berechnung basiert auf dem deutschen Strommix von 2015. Je nach Standort und zugrunde gelegtem Strommix können die Werte abweichen.
Bei einer üblichen Betriebsdauer von 20 bis 25 Jahren erzeugt eine Windenergieanlage somit ein Vielfaches der für ihren Lebenszyklus benötigten Energie.
Quelle: UBA (2021), S. 307
Flächeneffizienz
Es gibt verschiedene Faktoren, die die Flächeneffizienz von Windenergieanlagen beeinflussen. Je größer die Leistung der Anlage und je günstiger die Windverhältnisse, desto höher kann die Flächeneffizienz sein. Durch eine geschickte Anordnung der Anlagen lässt sich die Fläche ebenfalls optimal nutzen.
Im Durchschnitt benötigt eine Windenergieanlage etwa 0,5 Hektar Fläche für den Betrieb. Je nach Gelände und Anlagentyp kann der durchschnittliche langfristige Flächenbedarf pro Anlage aber variieren. In Bayern liegt er bei Windenergieanlagen im Wald bei durchschnittlich 0,34 Hektar und die vorübergehende, kurzfristige Beanspruchung während des Baus liegt bei durchschnittlich 0,54 ha. Das sind Flächen, die nur während der Bauphase, z.B. für die Montage benötigt werden. Für den Rückbau werden diese Flächen nicht mehr benötigt, da Windenergieanlagen vor Ort zerlegt werden.
Der große Vorteil von Windenergie ist, dass das Umfeld der Anlage weiterhin land- oder forstwirtschaftlich genutzt werden kann. Zudem ist der Stromertrag pro Fläche bei Windenergie deutlich höher als bei anderen erneuerbaren Energien.


Wirtschaftlichkeit
Seit einigen Jahren haben sich als Ergänzung zum klassischen Windmessmast mit Anemometer sogenannte Remote Sensing Systeme etabliert. Sie ermöglichen Windprofile (Windgeschwindigkeit und Windrichtung) bis 200 m Höhe und darüber hinaus vom Boden aus mit hoher Präzision zu messen. Zwei Remote Sensing Technologien haben sich in der Windmessung durchgesetzt: SoDAR-Geräte (Sonic Detection and Ranging) messen die Windverhältnisse mittels Schallwellen; LiDAR-Geräte (Light Detection and Ranging) nutzen Lichtstrahlen zur Bestimmung der Winddaten.
Mit modernen Windenergieanlagen können an einem Binnenlandstandort jährlich ca. 8 bis 12 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Das entspricht dem Stromverbrauch von über 2.600 Haushalten.
Wirtschaftlichkeit von Windenergieanlagen an Binnenlandstandorten
Moderne Windenergieanlagen können auch in komplexerem Gelände im Binnenland wirtschaftlich arbeiten. Durch größere Nabenhöhen lassen sich die in höheren Luftschichten vorherrschenden gleichmäßigeren Windströmungen besser ausnutzen. Das ist vor allem für bewaldetes und hügeliges Gelände von Bedeutung. Der Einsatz von Rotoren mit größerem Durchmesser verbessert ebenfalls die „Windernte" und führt damit zu einer Erhöhung des Stromertrags.
Um die möglichen Gebiete zu finden, werden die Standorte genau geprüft und Windmessungen durchgeführt.
Kosten
Die einmaligen Investitionskosten für Kauf und Installation der Windturbinen, Bau der Fundamente, Errichtung der notwendigen Infrastruktur sowie die Anbindung an das Stromnetz, können je nach Standort, Turbinentyp und Projektgröße erheblich variieren und belaufen sich auf ca. 1-2 Millionen Euro pro MW Leistung. Die reinen Planungskosten, z. B. für Gutachten und Genehmigungen belaufen sich dabei auf bis zu 300.000 Euro.
Die laufenden Betriebs- und Wartungskosten für regelmäßige Wartung, Ersatzteile, Fernüberwachung, Versicherung, Pacht und andere betriebliche Ausgaben beeinflussen direkt die langfristige Rentabilität des Projekts und liegen im sechsstelligen Bereich. Auch die Kosten des Rückbaus fließen direkt in die Kalkulation mit ein.
Einnahmen aus dem Stromverkauf
Ökostromproduzenten, die Anlagen mit einer Leistung von mehr als 100 kWp betreiben, sind seit 2016 verpflichtet, ihren erzeugten Strom direkt zu vermarkten. Dies soll den Markt für erneuerbare Energien wettbewerbsfähig machen. Die Höhe der Einnahmen durch den Verkauf des erzeugten Stroms hängt hier vom, aktuell an der Börse zu erzielenden, Strompreis (Marktwert) ab und von der Höhe der EEG-Vergütung, welche dem Betreiber als sogenannte Marktprämie eine Mindesteinnahme sichert. Wer Strom einspeist, erhält zunächst den Börsenpreis. Liegt dieser unter einer festgelegten EEG-Vergütung, gleicht eine Marktprämie die Differenz aus und schützt die Betreiber vor Preisschwankungen. Der Anlagenbetreiber erhält die Marktprämie vom Verteilnetzbetreiber und den Marktpreis von seinem Direktvermarkter. Die Prämie fördert eine flexible Einspeisung, die dann bessere Preise erzielt, wenn die Nachfrage hoch ist. Die Voraussetzung für die Direktvermarktung ist die Fernsteuerbarkeit der Anlage und wird zur Unterstützung der Netzstabilität genutzt.
Durch eine finanzielle Bürgerbeteiligung haben „Betroffene" die Gelegenheit, „Beteiligte" zu werden und an den Anlagen mitzuverdienen. Die Kommune erhält unabhängig vom Sitz der Betreibergesellschaft 90 % der anfallenden Gewerbesteuer auf die Erträge der Windräder. Sitzt die Betreibergesellschaft vor Ort, so erhöht sich die regionale Wertschöpfung sogar noch deutlich.
Aktuell wird bei Windprojekten in unserer Region eine Rendite von ca. 5 % prognostiziert.
Im Energieatlas Bayern können verschiedene Standorte im Hinblick auf den zu erwartenden Stromertrag betrachtet werden: http://www.karten.energieatlas.bayern.de/start/?c=677751,5422939&z=8&l=atkis,f967b467-7b04-47c2-8511-3fe9c044f16a&l_o=1,0.8&t=wind
Festlegung der EEG-Förderung
Der EEG-Fördersatz als garantierte Mindesteinnahme, auch anzulegender Wert genannt, wird für neu in Betrieb gehende Windenergieanlagen über ein Ausschreibungsverfahren in einem vierteljährlichem Bieterwettbewerb der Bundesnetzagentur ermittelt.
Für Windenergieanlagen an Land ab einer Leistung von 1 MW müssen sich die Gebote auf einen Gebotswert (in Cent pro Kilowattstunde) für den in den Anlagen erzeugten Strom und auf eine Gebotsmenge (in Kilowatt anzugebende Anlagenleistung) beziehen. Die Gebote mit den niedrigsten Gebotswerten erhalten einen Zuschlag und zwar bis das ausgeschriebene Volumen des jeweiligen Gebotstermins erreicht ist. Für das Jahr 2025 hat die Bundesnetzagentur den Höchstwert auf 7,35 Cent/kWh festgelegt.
In der Februarausschreibung 2026 waren z. B. 3.445 Megawatt (MW) ausgeschrieben, wobei für 7.858 MW Angebote abgegeben wurden. Gemäß § 28 Abs. 2 Nr. 2 EEG beträgt das jährliche Ausschreibungsvolumen für Windenergieanlagen an Land in den Jahren 2024 bis 2028 jeweils 10.000 MW – also 2.500 MW je Gebotstermin. Im Februar 2026 betrug die Zuschlagsmenge für Bayern hier 31 MW. Die im Rahmen des Gebotspreisverfahrens erzielten Werte bewegten sich zwischen 5,19 Cent/kWh und 5,54 Cent/kWh und liegen deutlich unter dem festgelegten Höchstwert von 7,25 Cent/kWh.
Bürgerenergiegenossenschaften können entscheiden, ob sie am wettbewerbsorientieren Ausschreibeverfahren teilnehmen oder von Ausnahmeregelungen im EEG 2023 Gebrauch machen. Mit diesen können sie eine Vergütung für den eingespeisten Strom beantragen, der sich an Durchschnittswerten der Ausschreibungen des Vorjahrs orientiert.
Standorte mit geringeren zu erwartenden Erträgen als einem Referenzstandort erhalten eine höhere Vergütung als Standorte mit höheren zu erwartenden Erträgen. Die Standortgüte wird durch die Stromerträge im laufenden Betrieb nach 5, 10 und 15 Jahren als Gütefaktor ermittelt und angepasst. Dabei wird überprüft, wieviel Ertrag die Anlage im Verhältnis zu einer Referenzanlage an ihrem Standort tatsächlich erreicht hat. Dieser Gütefaktor kann von 150 Prozent bis unter 50 Prozent betragen und die Einspeisevergütung wird mit einem zugehörigen Korrekturfaktor von 0,79 bis maximal 1,55 angepasst.
Finanzierung der Marktprämie
Alle Anlagen erneuerbarer Energien werden grundsätzlich nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergütet und erhalten 20 Jahre lang einen festen Vergütungssatz und eine Abnahmegarantie. Für jede Kilowattstunde, die ins öffentliche Netz eingespeist wird, erhält der Betreiber eine Auszahlung der Einspeisevergütung über die Netzbetreiber. Ökostromproduzenten, die Anlagen mit einer Leistung von mehr als 100 kWp betreiben, müssen ihren erzeugten Strom seit dem EEG 2016 selbst verkaufen, erhalten aber garantiert den Mindestpreis in Höhe ihrer ermittelten und festgelegten Einspeisevergütung in Form einer Marktprämie. Die vier großen Übertragungsnetzbetreiber führen für die Auszahlung der Einspeisevergütung ein gemeinsames EEG-Konto. Einbezahlt werden dort die Erlöse aus dem Verkauf des eingespeisten Stroms an der Strombörse. Die Verbraucher wurden bis 2022 über die EEG-Umlage an der Einspeisevergütung beteiligt.
Seit 2023 werden die Kosten vom Energie- und Klimafonds (EKF) übernommen, der nun die Förderung erneuerbarer Energien finanziert. In ihn fließen z. B. die Einnahmen der CO2- Bepreisung und die Erlöse aus dem europäischen Emissionshandel. Durch die Absenkung der EEG-Umlage auf null wird der EKF zukünftig mit rund 6,6 Milliarden Euro belastet, damit der Ausbau der erneuerbaren Energien weiterhin unterstützt wird, ohne dass die EEG-Umlage die Strompreise weiter direkt belastet.
Im Vergleich: Allein 2022 wurden der Abbau von Braunkohle und die Stromerzeugung daraus von der Allgemeinheit mit rund 1,7 Milliarden Euro gefördert. Davon kommen 1,2 Milliarden direkt aus dem Staatshaushalt.
Einen Überblick über die Zusammensetzung der 65 Milliarden umweltschädlichen Subventionen 2018 in Deutschland gibt eine Studie des Umweltbundesamts: Umweltschädliche Subventionen in Deutschland, UBA 2021
Stromgestehungskosten
In einer Studie des Fraunhofer Instituts für solare Energiesysteme (ISE) werden die Stromgestehungskosten verschiedener Energietechnologien im Bezugsjahr 2024 miteinander verglichen. Die Stromgestehungskosten von Energietechnologien hängt maßgeblich von folgenden Parametern ab: Den spezifischen Anschaffungskosten, den Standortbedingungen, den Betriebskosten, der Lebensdauer der Anlage und den Finanzierungsbedingungen.
Unter allen Kraftwerksarten sind PV-Freiflächenanlagen und Windenergieanlagen an Land die kostengünstigsten Technologien in Deutschland. Je nach Anlagentyp und Sonneneinstrahlung variieren die Stromgestehungskosten von PV-Anlagen zwischen 4,1 und 14,4 Cent/kWh, basierend auf Anlagenkosten zwischen 700 und 2000 € pro Kilowattpeak. Die Stromgestehungskosten von Windenergieanlagen liegen zwischen 4,3 und 9,2 Cent/kW, basierend auf spezifischen Anlagenkosten von 1300 bis 1900 € pro Kilowatt.
Im Vergleich gibt die Studie für flexibel einsetzbare Gasturbinenkraftwerke Stromgestehungskosten zwischen 15,5 und 32,6 Cent/kWh an, wobei der steigende CO2-Preis eine entscheidende Rolle spielt.
Die Gestehungskosten von neu zu bauenden Kernkraftwerken ergeben sich zu 13,6 bis 49,0 Cent/kWh, wobei Folgekosten sowie Endlagerung nicht berücksichtigt wurden. Die Zwischenlagerung von Atommüll und die Suche nach einem Endlager binden mit 1,05 Mrd. Euro fast die Hälfte des Haushalts des Umweltministeriums für das Jahr 2026.
Quellen:
DIBt: http://www.dibt.de/de/aktuelles/meldungen/nachricht-detail/meldung/aktualisiert-zuordnung-der-windlast-und-schneelastzonen-nach-verwaltungsgrenzen
http://www.co2online.de/energie-sparen/strom-sparen/strom-sparen-stromspartipps/stromverbrauch-2-personen-haushalt/
Bundesnetzagentur: http://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Ausschreibungen/Wind_Onshore/start.html
EEG 2023: http://www.gesetze-im-internet.de/eeg_2014/EEG_2023.pdf
https://www.bdew.de/energie/ergebnisse-der-februarausschreibung-fuer-windenergieanlagen-an-land-2026/
https://www.wind-lexikon.de/cms/lexikon/107-lexikon-w/3734-wirtschaftlichkeit-von-windkraftanlagen.html
https://www.dibt.de/de/aktuelles/meldungen/nachricht-detail/meldung/aktualisiert-zuordnung-der-windlast-und-schneelastzonen-nach-verwaltungsgrenzen
https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Ausschreibungen/Wind_Onshore/start.html
https://www.gesetze-im-internet.de/eeg_2014/__28.html
https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Ausschreibungen/Wind_Onshore/BeendeteAusschreibungen/2026/GT01022026/start.html
https://www.buendnis-buergerenergie.de/fileadmin/user_upload/Leitfaeden/BBEn_BuergerenergieDialog_Ausschreibungen.pdf
https://stories.umweltbundesamt.de/system/files/document/20210527_Themenkompass_Finanzielle%20Teilhabe_Wirtschaftlichkeit.pdf
https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/archiv-bundesregierung/eeg-umlage-faellt-weg-2011728
https://www.fachagentur-wind-solar.de/veroeffentlichungen/mediathek/detail/eeg-verguetung
https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/umweltschaedliche-subventionen-in-deutschland-0
https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/studie-stromgestehungskosten-erneuerbare-energien.html
https://www.bundeshaushalt.de/DE/Bundeshaushalt-digital/bundeshaushalt-digital.html
https://www.bundesumweltministerium.de/download/bmukn-haushalt-2026
https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Publikationen/Energie/erneuerbare-energien-in-zahlen-2024.html
https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/erneuerbare-energien-in-zahlen#ueberblick-beitrag-erneuerbare
http://www.iwes.fraunhofer.de/de/forschungsspektrum/windmessung.html
https://www.karten.energieatlas.bayern.de/start/?c=715646,5330504&z=12&r=0&l=atkis,92a36c60-8b40-4bcf-9543-3ce114a4f291&l_o=1,0.8&t=wind&cnids=12,121&mid=0
Genehmigung
- bis 10 m Gesamthöhe: genehmigungsfrei
- bis 50 m Gesamthöhe: baurechtliche Genehmigungspflicht
- ab 50 m Gesamthöhe: immissionschutzrechtliche Genehmigung
Die immissionsschutzrechtliche Genehmigung ist ein sogenanntes „Integrierendes Verfahren" oder Verfahren mit Konzentrationswirkung. Das bedeutet, dass ein umfassender, anlagenbezogener Prüfmaßstab gilt, in dem zahlreiche weitere Genehmigungen wie Baurecht, Denkmalschutzrecht, Naturschutzrecht, Waldrecht miteingeschlossen werden.
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Im Genehmigungsverfahren wird die optische Wirkung einer Windenergieanlage beurteilt. Bei periodischem Schattenwurf, den ein Rotor verursacht, als auch bei Lichtreflexen („Disko-Effekt") handelt es sich um Immissionen im Sinne des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG). Nicht als Immission gilt die sonstige Wirkung einer Anlage aufgrund der Eigenart der Rotorbewegung, die ein zwanghaftes Anziehen der Aufmerksamkeit mit entsprechenden Irritationen bewirken kann. Die Beurteilungsmaßstäbe zur Konkretisierung der Anforderungen finden sich in sogenannten Vollzugshinweisen.
WKA Schattenwurfhinweise 2020
Dort wird von der Maßgabe ausgegangen, dass eine Windenergieanlage nicht länger als 30 Minuten am Tag oder insgesamt 30 Stunden im Jahr Schatten auf ein Wohnhaus werfen darf.
In der bau- bzw. immissionsschutzrechtlichen Genehmigung wird daher verlangt, dass eine Windenergieanlage, die diese Werte überschreiten würde, mit einer Abschaltautomatik ausgerüstet werden muss, die die tatsächliche Schattenwurfdauer begrenzt. Die Abschaltungen werden dokumentiert und die Funktion des Schattenmoduls bzw. des Sensors regelmäßig durch die zuständigen Behörden überprüft.
Bespiel Fledermausschutz
Wind-an-Land-Gesetz
Das Wind-an-Land-Gesetz wurde zum 01.02.2023 von der Bundesregierung ins Leben gerufen, um den Ausbau der Windenergie in Deutschland deutlich zu beschleunigen. Ziel ist es, den Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien bis 2032 zu verdoppeln, wobei die Windkraft eine zentrale Rolle spielt.Ein zentrales Anliegen des Gesetzes ist die Erhöhung und Vereinfachung der Flächenausweisung. Dabei kommt es zu einem Paradigmenwechsel in der bisherigen Planung: Statt einer Ausschlussplanung wird nun eine Positivplanung verfolgt, bei der aktiv Flächen für Windenergie ausgewiesen werden. Das Ziel ist, bis Ende 2032 insgesamt 2 % der Bundesfläche für Windenergie bereitzustellen. Für die einzelnen Bundesländern wurden die Flächenbeitragswerte angepasst, sodass in Bayern, bis 31.12.2027 1,1 % und bis 31.12.2032 1,8 % der Landesfläche für Windkraft ausgewiesen werden sollen. Innerhalb dieser Flächen können potenzielle Standorte für Windenergieanlagen gesucht und geprüft werden. Die Ausweisung der Flächen sagt noch nichts über ihre Eignung für Windenergieanlagen aus. Sollte das Flächenziel nicht erreicht werden, würde eine flächendeckende Privilegierung der Windenergie im Außenbereich in Kraft treten, d.h. Windenergieanlagen könnten überall dort gebaut werden, wo einer Genehmigung nichts entgegensteht.
In Bayern sind gemäß des Landesentwicklungsprogramm die 18 Regionalen Planungsverbände (RPV) mit der Umsetzung der Flächenausweisung beauftragt.
Quellen:
http://www.stmwi.bayern.de/fileadmin/user_upload/stmwi/publikationen/pdf/2024-10-17_Broschuere_Windenergie.pdf
https://www.gesetze-im-internet.de/windbg/BJNR135310022.html
10H-Regelung
Der Abstand berechnet sich aus der 10-fachen Gesamthöhe der Windenergieanlage. Eine Windenergieanlage ist damit im Außenbereich nur privilegiert zulässig, d.h. ohne Bebauungsplan von Seiten der Gemeinde, wenn sie das 10-fache ihrer Gesamthöhe an Abstand zur nächsten Wohnbebauung einhalten kann.
Ausnahmsweise zulässige Wohngebäude, z. B. in Gewerbegebieten, sowie einzelne Gebäude mit Wohnnutzung im Außenbereich, werden vom Gesetz nicht erfasst – hier können geringere Abstände als 10H möglich sein.
Gemeinden können allerdings durch Darstellung im Flächennutzungsplan und Aufstellung eines Bebauungsplans Baurecht für Gebiete schaffen, die kleinere Abstände als 10H einhalten. Es gelten dann die allgemeinen Abstandsforderungen, die sich aus dem Immissionsschutzrecht sowie der Bayerischen Bauordnung ergeben. Natürlich müssen auch diese Anlagen das immissionsschutzrechtliche Prüfverfahren durchlaufen.
Der Bayerische Landtag hat am 27.10.2022 eine Aufweichung der bayerischen 10H-Regel beschlossen (s.a. TOP 9ö im Kreistag am 25.07.2022). Die Gesetzesänderungen sind am 16.11.2022 in Kraft getreten.
Die Lockerung betrifft folgende sechs Fallkonstellationen:
- Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Windkraft i.S.d. Bayerischen Landesplanungsgesetz oder bei Ausweisung in Flächennutzungsplänen: In ausgewiesenen Windenergiegebieten gilt ab 31.5.2023 kein Mindestabstand mehr (Art. 82 b BayBO neu).
- in einem Abstand von höchstens 2 000 m zu einem Gewerbe- oder Industriegebiet, wenn der erzeugte Strom überwiegend zur Versorgung der in dem Gewerbe- oder Industriegebiet liegenden Gewerbe- und Industriebetriebe bestimmt ist,
- längs von Haupteisenbahnstrecken im Sinn des § 47b Nr. 4 BImSchG, Bundesautobahnen oder vier- oder mehrstreifigen Bundesstraßen in einer Entfernung von bis zu 500
- beim „Repowering" (Kraftwerkserneuerung)
- auf militärischem Übungsgelände
- in bestehendem Wald, wenn von der Mitte des Mastfußes zum Waldrand mindestens ein Abstand in Höhe des Radius des Rotors eingehalten wird.
- Lärmschutz
Ob schädliche Umweltauswirkungen durch Geräuschimmissionen zu befürchten sind, erfolgt auf Grundlage der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm). - Rücksichtnahmegebot: Optisch bedrängende Wirkung
weniger als 2H: regelmäßig bedrängende Wirkung
2H-3H: Prüfung, ob regelmäßig bedrängende Wirkung vorliegt
3H und mehr: regelmäßig nicht bedrängende Wirkung - Erdbebenmessstationen
Zu Erdbebenmessstationen müssen Windenergieanlagen aufgrund von Störungswirkung einen genügend großen Abstand halten (3 bis 15 km).
ZU BEACHTEN: Mit Umsetzung der Flächenziele aus dem Wind an Land Gesetz wird die 10H Regelung ihre Gültigkeit verlieren.
Artenschutz
- Relevanzprüfung
- Bestandserfassung am Eingriffsort
- Prüfung der Verbotstatbestände (z. B. Vermeidungsmaßnahmen wie Abschaltlogarithmen für Fledermäuse, Standortverschiebung, …)
- Prüfung vorgezogener Ausgleichsmaßnahmen (CEF-Maßnahmen)
- Ausnahmeprüfung
Folgendes Maßnahmenpaket ist in der Regel zumutbar: Fledermausabschaltung, landwirtschaftliche (bei Mahd für ungestörte Beuteflüge außerhalb des Waldes) und begrenzte phänologiebedingte Abschaltungen, d.h. in Zeiten der größten Brutplatzbindung und hoher Flugaktivität der Art in Brutplatznähe, Abschaltung für Brutvögel und ökologische Baubegleitung für FFH-Arten (Tier- und Pflanzenarten, die in Anhang IV der Richtlinie 92/43 EWG aufgeführt sind). Weitere mögliche Maßnahmen betreffen z.B. Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen, die attraktive Lebensräume schaffen und die Biodiversität erhöhen. In Entwicklung sind aktuell Radarschutzsysteme mit Vogelfrüherkennung.
Zusammengefasst erfolgt in der modifizierten saP die Artenschutzprüfung anhand vorhandener Daten, die nicht älter als 5 Jahre sein dürfen. Sind keine Daten vorhanden oder keine geeigneten und verhältnismäßigen Maßnahmen verfügbar, wird ein finanzieller Ausgleich in Form einer Artenschutzabgabe festgesetzt. Eine Genehmigung kann nicht aufgrund von Artenschutzbelangen versagt werden.
Der Bundesrat hat in seiner Sitzung am 11.07.25 dem Entwurf für ein Gesetz zur Umsetzung der Novelle der Erneuerbare-Energien-Richtlinie 2023/2413 (RED III) zugestimmt, das am 15.08.25 in Kraft getreten ist. Dabei wurden die im WindBG getroffenen Erleichterungen in der artenschutzrechtlichen Prüfung weitgehend übernommen, so dass im Zulassungsverfahren abweichend von § 44 Absatz 1 und 5 des Bundesnaturschutzgesetzes keine artenschutzrechtliche Prüfung durchzuführen ist.
Ziel dieser gesetzlichen Sonderreglung ist es, die Vorhaben auf Genehmigungsebene zu beschleunigen, indem artenschutzrechtliche Belange bereits vorgezogen auf der Planungsebene behandelt werden – also bei der Aufstellung von Windenergiegebieten oder Beschleunigungsgebieten. Die Prüfung erfolgt nach Umsetzung von Red III in Beschleunigungsgebieten gemäß § 6b WindBG.
Vorranggebiete für Windenergie sind zusätzlich als Beschleunigungsgebiete für die Windenergie an Land auszuweisen (§ 28 Abs. 2 S. 1 ROG-RegE), soweit sie nicht in einem der folgenden Gebiete liegen:
- Natura 2000-Gebiete, Naturschutzgebiete, Nationalparks sowie Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten i.S.d. BNatSchG oder
- Gebiete mit landesweit bedeutenden Vorkommen mindestens einer durch den Ausbau der Windenergie betroffenen Art i.S.d. § 7 Abs. 2 Nr. 12 oder Nr. 14 BNatSchG, die auf der Grundlage von vorhandenen Daten zu bekannten Artvorkommen oder zu besonders geeigneten Lebensräumen ermittelt werden können.
- Intelligente Abschaltalgorithmen für Fledermäuse
- Bedarfsgerechte Abschaltungen bei Mahd für ungestörte Beuteflüge außerhalb des Waldes
- Bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung
- Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen, die attraktive Lebensräume schaffen und Biodiversität erhöhen
- In Entwicklung: Radarschutzsysteme mit Vogelfrüherkennung
Sind durch den Bau und Betrieb einer Windenergieanlage Fledermäuse betroffen, wird von der Genehmigungsbehörde die Nutzung sogenannter Batcorder (ein sogenanntes Gondelmonitoring) verlangt, die zwischen dem 15. März und 15. November Fledermausrufe auf Gondelhöhe aufzeichnen und so einen Hinweis auf die Aktivitätszeiten der Tiere geben. Mit diesen Daten kann dann ein Abschaltalgorithmus für die Windkraftanlagen ermittelt werden, welcher ein mögliches erhöhtes Tötungsrisiko stark verringern kann. In Bayern müssen Anlagen abgeschaltet werden, wenn das Tötungsrisiko mehr als 2 Fledermäuse pro Jahr und Anlage beträgt. Schon während des Monitorings werden pauschale Abschaltzeiten vorgegeben.
https://www.bfn.de/artenhttps://www.naturschutz-energiewende.de/fragenundantworten/277-deutsche-studien-windenergie-biodiversitaet-voegel-fledermaeuse/
https://www.naturschutz-energiewende.de/fragenundantworten/kne-antwort-380_kollisionsgefaehrdung-wespenbussard-schutzmassnahmen/
Klimaschutzleistung
Erneuerbare Energien als Ersatz für fossile Energieträger vollenden den Energie-3-Sprung: Je weniger Energie wir verbrauchen und je effizienter wir sie nutzen, desto leichter wird es, den verbleibenden Energiebedarf mit erneuerbaren Energien zu decken.Im Jahr 2024 wurden allein durch Windenergie 105,6 Mio. Tonnen CO?-Äquivalente in Deutschland eingespart. Um den Wert einzuordnen: Das ist mehr als die gesamten Emissionen Belgiens.
Vor allem bedingt durch die geforderten Abstände zu Wohnbebauung befinden sich Vorranggebiete für Windkraft häufig in Waldgebieten. Da Wald als Kohlenstoffspeicher und -senke eine bedeutende Rolle im natürlichen Klimaschutz spielt, entsteht hier ein Spannungsfeld zwischen technischem und natürlichem Klimaschutz. Der Wald erbringt zudem weitere Ökosystemleistungen, wie die Regulierung der Luftqualität und des Wasserhaushalts.
Da das CO?, das in Bäumen gebunden ist, später beim biologischen Zerfall oder nach einer Nutzung irgendwann wieder freigesetzt wird, wird bei der Klimaleistung von Wäldern allerdings nur das CO? betrachtet, das jährlich durch das Wachstum gebunden wird.
Die Klimaschutzleistung von einem Hektar Wald liegt jährlich also zwischen 3,3 und 13 t CO?. Für die Errichtung einer Windenergieanlage wird durch die Rodung von 0,88 Hektar einmalig der Speicher von 840 t CO? entfernt, der an anderer Stelle allerdings wieder aufgeforstet wird.
https://www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/vierte-bundeswaldinventur.pdf?__blob=publicationFile&v=18
https://wir-renningen.de/waldwissen/der-wald-als-co%e2%82%82-speicher
https://www.lwf.bayern.de/boden-klima/kohlenstoffbindung/266779/index.php
Windenergie im Wald
Der Klimawandel setzt den Wald und die Forstwirtschaft zunehmend unter Druck, da in vielen Regionen Kalamitätsflächen (großflächige Ausfälle) durch Windwurf, Trockenheit und Borkenkäfer entstehen. Anlagen sollten bevorzugt in Wäldern errichtet werden, die bereits intensiv forstwirtschaftlich genutzt werden und über bestehende Infrastrukturen, wie ausgebaute Forstwege, verfügen. Schutzwälder, alte Waldbestände und historische Waldstandorte sollen dabei unangetastet bleiben. Windenergieanlagen bieten sich besonders auf Kalamitätsflächen an, die durch Stürme oder Schädlingsbefall bereits geschädigt wurden, etwa durch Borkenkäferbefall.
Die durch Windprojekte generierten Einnahmen sowie die Ausgleichsmaßnahmen können den notwendigen Waldumbau hin zu stabilen Laub- und Mischwaldflächen unterstützen. In diesem Sinne können Windenergieanlagen einen unverzichtbaren Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten und idealerweise auch dem Wald selbst zugutekommen – obwohl ihr Bau im Wald natürlich zunächst Rodung bzw. Kahlschlag bedeutet und Flächen im Wald dauerhaft beansprucht werden.
Zu großen Teilen handelt es sich bei der Waldinanspruchnahme durch die Windenergie weder um einen formalen noch einen realen Nettoverlust an Waldfläche. Es ist vielmehr ein temporärer, allerdings auch langjähriger Funktionsverlust, der je nach betroffenem Waldbiotoptyp und Baumalter, mitunter durch die Entwicklungszeit der Ersatzpflanzungen oder der Naturverjüngung variiert.
Eingriffe in Natur und Landschaftsbild:
Temporär benötigte Flächen (ca. 2000 m²) werden nach dem Kahlschlag an Ort und Stelle, Rodungsflächen, die dagegen dauerhaft für die Windenergieanlage zu Verfügung stehen müssen (ca. 3000 m² für Fundament und Kranfläche), werden auf nahegelegenen Ausgleichsflächen aufgeforstet und/oder durch andere ökologisch wertvolle Maßnahmen kompensiert. Im Idealfall schafft dies gleichzeitig eine Gelegenheit, den Wald ökologisch sinnvoll umzugestalten. Die Abhandlung der Eingriffsregelung erfolgt in der Regel anhand der Vorgaben der Bayerischen Kompensationsverordnung:Verordnung über die Kompensation von Eingriffen in Natur und Landschaft
Bei Rodung im Bannwald muss die Aufforstung direkt angrenzend an das zusammenhängende Waldgebiet erfolgen.
Für Eingriffe in das Landschaftsbild werden zudem Ersatzgeldzahlungen an den Bayerischen Naturschutzfond geleistet, die vor Ort für Natur- und Landschaftspflegemaßnahmen verwendet werden können. Über die Verwendung entscheidet das zuständige Landratsamt bzw. die Untere Naturschutzbehörde. Die Höhe des Ersatzgeldes ist abhängig von der Wertstufe des Landschaftsbildes.
Hinweise zur Genehmigung von WEA für den Bereich Naturschutz 2023
Die Seite zu den Ausschreibungen von Flächen für Windenergievorhaben im Besitz der der Bayerischen Staatsforsten finden Sie hier.
Haltung von Verbänden zu Windenergieanlagen im WaldDer BUND Naturschutz in Bayern e.V. hat eine Liste mit Kriterien erstellt, um das Windenergie-an-Land-Gesetz in Bayern naturverträglich umzusetzen. Die Kriterienliste enthält grundlegende Hinweise, wie Vorranggebiete aber auch konkrete Standorte unter Berücksichtigung von Naturschutzbelangen – etwa für Windkraft im Wald – auszuweisen sind.
Bund Naturschutz, Kriterienliste für die Ausweisung von Windenergie-Vorranggebieten, 2023
Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. fordert einen zügigen Ausbau einer ökologisch, ökonomisch und sozial verträglichen Windkraft. Bedenken wegen kritischer Standorte werden formuliert und geschlussfolgert, dass für mögliche Standorte homogen strukturierte, intensiv genutzte Wirtschaftswälder (Monokulturen) ausgewählt werden sollten, in denen ein geringeres artenschutzrechtliches Konfliktpotenzial angenommen wird.
Der LBV hat ein Positionspapier zur Windkraft veröffentlicht:
Landesbund für Vogelschutz, Positionspapier Windenergie, 2022
Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Bundesverband e.V. (SDW) kommt in ihrer Stellungnahme zu folgendem Fazit: „Da vor allem der Artenschutz im Konflikt mit dem Ausbau von Windkraftanlagen im Wald steht, darf der Wald keine Prioritätsfläche für Windkraftanlagen werden. Trotzdem sehen wir, dass auch der Wald seinen Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien liefern muss. Unter besonderen Bedingungen und in einem angemessenen Maß und Umfang besteht hierzu auch die Möglichkeit, wie unsere Potenziale aufzeigen."
Das Positionspapier finden Sie hier:
Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Positionspapier Windkraft im Wald- Position der SDW, 2022
Der Deutsche Jagdverband hat eine Stellungnahme veröffentlicht mit Kriterien, die bei der Errichtung von Windenergieanlagen im Wald beachtet werden sollten.
Sie finden sie hier:
Deutscher Jagdverband, Positionspapier Windenergienutzung im Wald, 2022
Greenpeace hat einen Regelungsvorschlag zum Auflösen des Konflikts zwischen Energiewende und Waldschutz veröffentlicht und fordert die Beschränkung von Windenergieanlagen im Wald auf junge Nadelholz-Monokulturen.
Die Regelungsbedarfe und -vorschläge finden Sie hier:
Greenpeace, Regelungsvorschlag Windenergie im Wald, 2022
https://www.bund-naturschutz.de/fileadmin/Bilder_und_Dokumente/Themen/Energiewende/Erneuerbare_Energien/240125_BN_Informiert_Windenergie_Vorranggebiete_aktualisiert.pdf
https://www.lbv.de/files/user_upload/Dokumente/Positionen%20und%20Politika/Windkraft/Windkraftpapier%20LBV%2001-2022.pdf
https://www.lbv.de/naturschutz/standpunkte/erneuerbare-energien/windkraft-zuegig-naturvertraeglich-ausbauen/
https://www.sdw.de/fileadmin/Bundesverband/01_Dateien/Positionen_Stellungenahmen/Positionspapier_Windkraft_im_Wald.pdf
https://www.jagdverband.de/sites/default/files/DJV%20Position%20Windenergienutzung%20im%20Wald.pdf
https://www.greenpeace.de/publikationen/Greenpeace%20Regelungsvorschlag%20Wald%20im%20Wind%20und%20FFH%20Schutz.pdf
Landschaft
Windenergieanlagen greifen, anders als fossile Energien wie der Kohleabbau, nicht tief in die Strukturen von Landschaften ein. Sie verändern aber ihr Erscheinungsbild und ihr Anblick ist für viele Menschen noch ungewohnt. Deswegen spielt bei Windenergieprojekten neben dem Klimawandel und der Energiewende das Thema Landschaft eine sehr wichtige Rolle.Ob Tagebergbau, Atomkraftanlagen oder Wasserkraftwerke, unsere Landschaft wurde und wird zur Deckung unseres Energiebedarfs nachhaltig verändert. Hochspannungsmasten sind für viele bereits ein gewohnter Teil der Landschaft.
Dabei treffen nicht nur Meinungen, sondern verschiedene Verständnisse aufeinander, was mit „die Landschaft" bezeichnet wird. Das liegt daran, dass es in Sprache, Geschichte, Wissenschaft und selbst in Gesetzen verschiedene Sichtweisen von Landschaft gibt. Sie sind alle legitim, nur wenn sie vermischt werden, erschwert das eine sachliche Diskussion.
Landschaft als Natur und Umwelt
Landschaft als Ökosystem, Landschaft als Umwelt: Ein zusammenfassender Blick auf einen Ausschnitt der Erdoberfläche soll menschliches Tun und den damit verbundenen Zustand der Natur erfassen. In der Wissenschaft, der Planung und auch der Politik werden so komplexe ökologische Systeme geordnet, um Entscheidungen treffen zu können. Dabei geht es bei Entscheidungen zu Erneuerbaren Energien grundsätzlich darum, wo die Grenzen des Systems Landschaft gezogen werden, denn der Zustand von Natur und Umwelt kann sowohl global, als auch lokal betrachtet werden.
Landschaft als Erzählung
Landschaften entstehen erst in den Köpfen der Menschen und sind dort auch mit sinnstiftenden Erzählungen – „Narrativen" – verbunden. Diese Erzählungen haben Einfluss auf die Art, wie die Umwelt wahrgenommen wird. Sie transportieren Werte und Emotionen, unterliegen aber auch dem zeitlichen Wandel (Wikipedia). Beispiele für Narrative sind allgemein der „Der deutsche Wald", die literarische Vorstellung „Im Märchenwald", aber auch „Die Grüne Lunge" und „Das Waldsterben". Selbst „Die nachhaltige Forstwirtschaft" ist heute ein solches Narrativ.
Bilderbuch-Landschaften
Landschaft wie ein Gemälde, Landschaft wie erhabene Natur: dafür soll Landschaft naturnah, wenig durch visuell störende Objekte „vorbelastet" sein und sich für die naturbezogene Erholung eignen. Nach diesem Verständnis gibt es „Bilderbuchlandschaften", „Normallandschaften" und sogar „nichtssagende Gegenden". Dieses Landschaftsverständnis bezieht sich auf das Naturschutzgesetz, nach dem Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft geschützt werden. Dann ist das Landschaftsbild ein Schutzgut, das nach Wertstufen – im Bayerischen Windenergieerlass sind es vier – unterschieden werden kann.
Mit der Eingriffsregelung des Naturschutzgesetzes, nach der je nach Wertstufe des Landschaftsbildes geringe bis hohe Ersatzzahlungen zu leisten sind, sollen Windräder aus „Bilderbuch-Landschaften" ferngehalten und in „vorbelasteten Gebieten" konzentriert werden.
Ersatzzahlungen
Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes durch Windenergieanlagen können aufgrund ihrer Höhe in der Regel nicht durch Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen kompensiert werden. Während sich beispielsweise Freiflächen-Photovoltaikanlagen durch Hecken oder andere Bepflanzungen teilweise in die Landschaft integrieren lassen, ist dies bei Windenergieanlagen nur sehr eingeschränkt möglich. Für solche nicht kompensierbaren Eingriffe ist gemäß § 15 Abs. 6 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) eine Ersatzzahlung zu leisten.
Die Ersatzzahlungen werden von den Betreibern der Windenergieanlagen an den Bayerischen Naturschutzfonds entrichtet. Die Mittel sind zweckgebunden für Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege zu verwenden. Über ihre konkrete Verwendung entscheidet grundsätzlich die örtlich zuständige untere Naturschutzbehörde (Landratsamt).
Die Höhe der Ersatzzahlung richtet sich insbesondere nach der Dauer und Schwere des Eingriffs in das Landschaftsbild (§ 15 Abs. 6 BNatSchG). Die bayerischen „Hinweise zur Genehmigung von Windenergieanlagen für den Bereich Naturschutz" vom August 2023 sahen hierfür ursprünglich eine Berechnungsmatrix vor, die insbesondere die Gesamthöhe der Anlage und die Bedeutung des Landschaftsbildes berücksichtigte.
Aufgrund eines Urteils des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 16. April 2026 wurde die bisherige Berechnungspraxis jedoch geändert. Das Gericht erklärte die pauschale Reduzierung der Ersatzzahlung um 75 % für Windenergieanlagen in regionalplanerisch ausgewiesenen Vorrang- und Vorbehaltsgebieten für rechtswidrig. Daraufhin wies das Bayerische Umweltministerium die zuständigen Behörden im Juli 2026 an, die bisherigen Vorgaben zur Berechnung des Ersatzgeldes einschließlich der Berechnungsmatrix vorerst nicht mehr anzuwenden.
Bis zu einer rechtssicheren Neuregelung muss die Bemessung der Ersatzzahlung daher anhand der gesetzlichen Vorgaben, insbesondere der Dauer und Schwere des Eingriffs, im jeweiligen Einzelfall erfolgen.
Grundsätzlich ist die Ersatzzahlung vor Durchführung des Eingriffs zu leisten. Die Genehmigungsbehörde kann jedoch einen anderen Zahlungszeitpunkt festlegen und hierfür eine Sicherheitsleistung verlangen.
Versorgungssicherheit

Durch die Weiterentwicklung von Speichertechnologien und virtuellen Kraftwerken, die die verschiedenen regenerativen Quellen managen, sowie deren Integration in einen großflächigen, leistungsfähigen Netzverbund, kann die Einspeisung des erneuerbar erzeugten Stroms gut gesteuert und reguliert werden. Speicher haben kurze Reaktionszeiten und leisten einen Beitrag zur Stabilisierung der Netzfrequenz.
De Bayerische Speicherstrategie finden Sie hier:
Bayerische Speicherstrategie
Trotz des steigenden Ausbaus erneuerbarer Energien geht die Kennzahl der Bundesnetzagentur für ungeplante Versorgungsunterbrechungen (Dauer von über drei Minuten) zurück.

Einen Überblick über die Stromerzeugung und den Stromverbrauch, sowie die aktuelle Netzbilanz der Landkreise Ebersberg und München mit der Entwicklung von Netzeinspeisung und Netzbezug seit 2021 finden Sie im EnergieMonitor der Bayernwerk Netz GmbH:
EnergieMonitor der Bayernwerk Netz GmbH
https://www.energy-charts.info/charts/energy/chart.htm?l=de&c=DE&month=-1&stacking=stacked_grouped&legendItems=fw3w1&year=2025&partsum=1
https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Versorgungssicherheit/Versorgungsunterbrechungen/Auswertung_Strom/SAIDIStrom.png?__blob=poster&v=5
https://energiemonitor.bayernwerk.de/regions-dashboard
Windmessung
Entscheidend für den Ertrag und die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Windenergieanlagen sind die spezifischen Windbedingungen am jeweiligen Standort. In der Planungsphase werden daher Windgutachten erstellt, auf deren Basis die weitere Planung und Kalkulation der Projekte erfolgt. Grundlage der Windgutachten sind in der Regel Windmessungen sowie historische Daten benachbarter Anlagen. Deren Volllaststunden (jährlicher Stromertrag bezogen auf die Anlagenleistung) helfen bei der Abschätzung, wie effizient Anlagen an verschiedenen Standorten sind und wie die Güte eines Standorts ist.Windmessung
Neben klassischen Windmessmasten mit Anemometern haben sich sogenannte Fernerkundungssysteme (Remote Sensing) als etablierte Verfahren zur Windmessung durchgesetzt. Diese ermöglichen es, Windprofile, also die Windgeschwindigkeit und Windrichtung in unterschiedlichen Höhen, vom Boden aus mit hoher Genauigkeit zu erfassen. Je nach Messsystem können dabei Höhen von 200 Metern und darüber hinaus erreicht werden. Die Messgenauigkeit hängt unter anderem von den atmosphärischen Bedingungen, den Geländeverhältnissen und der Kalibrierung der Geräte ab.
Zu den wichtigsten Fernerkundungstechnologien gehören SoDAR (Sonic Detection and Ranging) und LiDAR (Light Detection and Ranging). Während SoDAR-Geräte die Windverhältnisse mithilfe von Schallwellen erfassen, nutzen LiDAR-Geräte Laserlicht zur Bestimmung der Winddaten. Insbesondere die LiDAR-Technologie hat sich in der Windenergiebranche als Standardverfahren etabliert und kann klassische Windmessmasten je nach Anwendungsfall ergänzen oder ersetzen.
https://www.dibt.de/de/aktuelles/meldungen/nachricht-detail/meldung/aktualisiert-zuordnung-der-windlast-und-schneelastzonen-nach-verwaltungsgrenzen
https://eurocodes-tools.com/de/windzonenkarte-deutschland/
https://www.dwd.de/DE/forschung/klima_umwelt/klimaueberwachung/quwind100/quwind100_node.html
https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html?lv3=102070&lv2=101996
https://publikationen.bibliothek.kit.edu/1000061811
https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-08058-7_3#citeas
Schwachwindgebiet
Gerechtigkeit
Klimagerechtigkeit
Historisch betrachtet sind die Industrieländer des Nordens die größten Verursacher der Klimakrise und besitzen die meisten Ressourcen, um sich gegen die Klimakrise abzusichern.
Klimagerechtigkeit benennt die große gemeinsame Verantwortung, die wir für den Klimaschutz haben – und die besondere Verantwortung der Verursacher, entstandene Schäden wiedergutzumachen und neue Schäden zu verhindern. Klimaschutz heißt dabei, dass jedes Land vor der eigenen Haustür Maßnahmen zum Kampf gegen die Klimakrise ergreift. Das bedeutet auch, dass sich alle im Rahmen ihrer Möglichkeiten beteiligen müssen. Dies gilt unter anderem auch bei der Erzeugung erneuerbarer Energien, die wir alle brauchen und nutzen – nicht irgendwo anders in Norddeutschland oder in Afrika, sondern auch direkt vor unserer Haustür.
Der Begriff "Generationengerechtigkeit" beschreibt die Gerechtigkeit der Verteilung von materiellen Ressourcen, Lebenschancen und Lebensqualität unter den Generationen. Das impliziert, dass jede Generation so verantwortungsvoll leben soll, dass sie nachfolgenden Generationen keine unzumutbaren Lasten, z. B. in Form von Schulden oder Umweltschäden, aufbürdet.
Im Umweltkontext schließt Generationengerechtigkeit die Weitergabe eines fairen ökologischen Erbes im Sinne einer intakten Umwelt an kommende Generationen ein: Der Erhalt der Artenvielfalt, ein verantwortungsvoller Umgang mit natürlichen Ressourcen, die Lösung der atomaren Endlagerungsproblematik, eine Reduzierung der Treibhausgase und das Eindämmen des Klimawandels.
Soziale Gerechtigkeit
Die erhöhte Verwundbarkeit gegenüber negativen Folgen des Klimawandels betrifft nicht nur arme Länder im globalen Süden, sondern auch arme und kranke Menschen in reichen Ländern. Menschen mit geringem Einkommen leiden oft am meisten unter den Auswirkungen des Klimawandels, obwohl sie am wenigsten dazu beigetragen haben. Soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit werden durch den Klimawandel noch weiter verstärkt.
Ärmere Bevölkerungsgruppen sind oft stärker von Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Dürren betroffen, da sie in gefährdeten Gebieten leben und weniger Ressourcen haben, um sich angemessen zu schützen.
Deutschlands Verantwortung für den Klimaschutz
Oft wird argumentiert, dass Deutschland mit 1,6 % Anteil an den globalen CO2-Emissionen (Stand 2023) nur mit einem geringen Maß für den Klimawandel verantwortlich sei und daher auch unsere Klimaschutzbemühungen keine große Rolle spielen würden.
Um die Frage zu beantworten, ob wir etwas gegen den Klimawandel unternehmen sollten, müssen unterschiedliche Faktoren herangezogen werden, insbesondere:
- die Verantwortung für den Klimawandel, messbar über
- aktuelle Treibhausgasemissionen
- kumulierte Treibhausgasemissionen, welche die historische Verantwortung für den Klimawandel nachzeichnen,
- aktuelle Pro-Kopf-Emissionen,
- die wirtschaftlichen, finanziellen, technologischen und institutionellen Fähigkeiten zum Klimaschutz,
- den Stand der wirtschaftlichen Entwicklung und
- das noch zur Verfügung stehende Kohlenstoffbudget, also die Gesamtmenge an Treibhausgas- Emissionen, die noch ausgestoßen werden darf, bevor ein anvisiertes Temperaturlimit überschritten wird.
https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/klima/treibhausgas-emissionen-in-der-europaeischen-union#hauptverursacher
https://www.bpb.de/themen/klimawandel/dossier-klimawandel/515255/klimagerechtigkeit/
https://ourworldindata.org/co2-and-greenhouse-gas-emissions
https://ourworldindata.org/profile/co2/germany
https://www.publikationen-bundesregierung.de/pp-de/publikationssuche/dem-klimawandel-begegnen-2045274
https://www.worldometers.info/de/weltbevoelkerung/deutschland-bevoelkerung/
https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/wie-hoch-sind-die-treibhausgasemissionen-pro-person
https://bosch-stiftung.de/story/klimagerechtigkeit-wer-traegt-verantwortung-fuer-die-klimakrise
https://www.klimabilanz.eu/land/deutschland/
Schall
Windräder verursachen Geräusche in verschiedenen Frequenzbereichen. Eine Überschreitung verbindlicher gesetzlicher Grenzwerte ist nicht genehmigungsfähig.Die Beurteilung der Geräuschsituation bei Planung und Betrieb von Windenergieanlagen erfolgt immer im Einzelfall und nach der „Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm"(TA Lärm). Darin festgelegt sind Immissionsrichtwerte für einen wirksamen Schutz der Bevölkerung vor Lärm durch technische Anlagen. Die Bund/Länder- Arbeitsgemeinschaft Immissionsschutz (LAI) gibt zusätzliche Hinweise, die die Anforderungen konkretisieren.
Erwiesen ist, dass der Geräuschpegel bereits in einem Abstand von wenigen hundert Metern nicht mehr von natürlichen Hintergrundgeräuschen wie Wind und Blätterrauschen zu unterscheiden ist..
Bereits im Genehmigungsverfahren aber unter Umständen auch nachträglich, müssen im Einzelfall bei einer Überschreitung der jeweiligen Nacht- und Tagespegel geeignete Schallschutzmaßnahmen festgelegt werden. In Einzelfällen muss die Anlage z. B. zur Nachtzeit (22:00 bis 6:00 Uhr) in einem schallreduzierten Modus (Drehzahlbegrenzung) betrieben werden. Dies gilt z.B. für eine der Anlagen im Förnbacher Forst.
Durch stetige technische Optimierung können die Schallemissionen durch Windenergieanlagen zusätzlich deutlich reduziert werden, damit die Anforderungen an den Schallschutz gewährleistet werden. So reduzieren gezahnte Hinterkanten an den Rotorblättern (Hinterkantenkamm, engl. Trailing Edge Serrations) den Lärmemissionspegel um 1-3 dB(A).
Schattenwurf

Infraschall
Infraschall ist tieffrequenter Schall im nicht hörbaren Frequenzbereich von 1 bis 16 Hertz. Nahe der Grenze zum Hörschall braucht es bei 16 Hertz rund 79 dB, um Infraschall wahrzunehmen, bei tieferem Infraschall sind hohe Schallpegel ab 100 dB nötig, um die Wahrnehmungsschwelle zu erreichen. Infraschall und tieffrequente Geräusche sind allgegenwärtiger Teil unserer technischen und natürlichen Umgebung. So können z. B. Föhnwinde, schwerer Seegang oder aber auch das Abrollgeräusch von PKW- oder LKW-Reifen einen Schalldruck von über 100 dB erreichen. Die Insassen eines fahrenden PKW sind etwa 120 dB ausgesetzt (bei 20 Hertz).Der von Windenergieanlagen ausgehende Infraschall ist im Wesentlichen abhängig von der Rotorgeschwindigkeit und der Bauart der Anlage. Er entsteht, wenn Rotorblätter am Turm vorbeistreichen, durch Vibrationen in den Flügeln und Turm und durch Turbulenzen an den Rotorblättern. Verschiedene Messungen zeigen, dass Infraschall in der Umgebung von Windenergieanlagen deutlich unter der Hör- und Wahrnehmungsschwelle liegt. Das Landesamt für Umwelt von Baden-Württemberg gibt in 150 m Entfernung zu einer Windenergieanlage im Frequenzbereich von 1 bis 100 Hertz Werte von unter 70 dB und damit unter der menschlichen Hörschwelle an.
Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis einer schädlichen Wirkung von Infraschall unterhalb der Wahrnehmbarkeitsgrenzen. Aber die unbegründete Angst vor unhörbaren Effekten kann tatsächlich krankmachen („Nocebo-Effekt").
Von Windkraftgegnern werden gerne die Forschungsergebnisse von Prof. Vahl als Beleg für die Gefährlichkeit von Infraschall angeführt. In seinen Versuchen an isolierten Herzmuskelzellen hat dieser bei Schalldrücken über 100 dB Effekte festgestellt und diskutiert deswegen einen Infraschallgrenzwert von 80 dB. Für Windenergieanlagen wäre dieser Grenzwert tatsächlich unproblematisch – für die Autohersteller jedoch eine Katastrophe. Bereits mit fünf Minuten Autobahnfahrt bei moderater Geschwindigkeit liegt die Infraschall-Tagesbelastung bei 80,4 dB.
Das Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung der Universität Bayreuth hat die Intensität des Infraschalls bei einer Autofahrt mit einem Ford Fokus Turnier TDCi (Dieselmotor 116 PS, Bj. 2011) mit der eines Windrads in Harsdorf verglichen. Bei 3,5 Stunden Autofahrt wurden die Insassen dabei einer Infraschallenergie ausgesetzt, die über 27 Jahre Aufenthalt in 300 m Abstand zu einem Windrad entsprechen.
Nachtbefeuerung
Die „Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen" (AVV) schreibt vor, dass „Luftfahrthindernisse zu kennzeichnen sind, außerhalb von Städten und anderen dicht besiedelten Gebieten, wenn eine Höhe der maximalen Bauwerksspitze von 100 Metern über Grund überschritten wird."Die Nachtkennzeichnung kann entweder ein sogenanntes Hindernisfeuer geringerer Lichtstärke am höchsten Punkt der Anlage (d.h. an den Flügelspitzen) oder ein blinkendes, von allen Seiten sichtbares Gefahrfeuer auf der Gondel sein. Eine Sichtweitenregulierung dimmt die Beleuchtung bei Sichtweiten von über 10 Kilometern auf 10 Prozent und bei über 5 Kilometern auf 30 Prozent. Bei Windparks wird eine synchronisierte Hinderniskennzeichnung vorgeschrieben.
Ende 2015 wurde eine bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung (BNK) zugelassen, die die Beleuchtung nur dann anschaltet, wenn sich ein Luftfahrzeug in einem Umkreis von 4 Kilometern und einer Flughöhe von weniger als 600 Metern befindet.
Durch das Energiesammelgesetz wird eine verpflichtende Nachtkennzeichnung für Neu- und Bestandsanlagen des EEG ab dem 1. Juli 2020 festgesetzt.
Fazit: Die Anlagen werden nachts meist dunkel sein.
Rückbau & Recycling
https://www.fachagentur-wind-solar.de/veroeffentlichungen/mediathek/detail/hintergrundpapier-rueckbau-und-recycling-von-windenergieanlagen
https://www.fachagentur-wind-solar.de/wind/rueckbau-und-recycling
Umweltschäden
Abrieb
Schwefelhexalfluorid SF6
Bodenversiegelung
Grundwasserneubildung
Mikroklimatische Auswirkungen
https://www.energie-zukunft-rheingau.de/wp-content/uploads/2024/01/Faktenpapier_Sicherheit_Windenergieanlagen.pdf
https://www.br.de/nachrichten/wissen/wenn-ein-windrad-im-wald-brennt-so-selten-so-gefaehrlich,UmfAKhh
https://www.hlnug.de/fileadmin/downloads/luft/Anleitung_zur_Erstellung_der_Antragsunterlagen_fuer_Windenergieanlagen_Stand_10.04.2025.pdf
https://de-brandschutz-informationsportal.tuvsud.com/artikel/Brandschutz-Windkraftanlagen.html
https://www.dialogforum-energie-natur.de/ufaq/wie-sieht-die-brandgefahr-bei-windraedern-aus/#_ftn2
https://www.bundestag.de/resource/blob/926226/b0494e5467d05b6bd12ace95d91134f6/WD-5-123-22-pdf-data.pdf
https://www.mdpi.com/1996-1944/19/5/963
https://www.mdpi.com/1996-1073/17/24/6260
https://www.wind-energie.de/fileadmin/datensaetze/dokumente/publikationen/faktenchecks/2026/20260119_BWE_Faktencheck_Erosion_Rotorblaettern.pdf
https://publica.fraunhofer.de/entities/publication/97906872-d1ee-401e-a639-492f3c239952
https://goal100.org/monitor/wind-an-land
https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/fluorierte-treibhausgase-fckw/schaltanlagen-0
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/06/PD26_201_32421.html
https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2024/573/oj/deu
https://www.bund-naturschutz.de/energiewende/erneuerbare-energien/faq-windkraft
https://www.kea-bw.de/fileadmin/user_upload/Erneuerbare_BW/Publikationen/Faktencheck_Windenergie_Layoutversion.pdf
https://www.fachagentur-wind-solar.de/fileadmin/Veroeffentlichungen/Wind/Windenergie_im_Wald/FA_Wind_und_Solar_Analyse_Wind_im_Forst_10Auflage_2025.pdf
https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/flaeche-boden-land-oekosysteme/boden/bodenversiegelung
https://landesplanung.hessen.de/sites/landesplanung.hessen.de/files/2025-09/gutachten_versickerungsfaehigkeit_hmwvw.pdf
https://www.regionalstatistik.de/genesis//online?operation=table&code=86321-Z-07&bypass=true&levelindex=0&levelid=1755079317970#abreadcrumb
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/154868/umfrage/flaeche-der-deutschen-bundeslaender/
https://www.windindustrie-in-deutschland.de/publikationen/aktuell/bayerns-besseres-windkonzept
https://www.gesetze-im-internet.de/windbg/
https://www.bayern.landtag.de/fileadmin/Internet_Dokumente/Sonstiges_P/PII/Anhoerungen/WI/009_WI_160524_ges_endg.pdf
https://www.br.de/nachrichten/wissen/nein-windraedersind-keine-besonderegefahr-fuer-dasgrundwasser-faktenfuchs%2CTAz0liL
https://www.naturschutz-energiewende.de/wortmeldung/wortmeldung-zum-flaechenbedarf-der-windenergie/
https://um.baden-wuerttemberg.de/de/klima-energie/energiewende/erneuerbare-energien/windenergie/faq-windenergie
https://www.naturschutz-energiewende.de/fragenundantworten/158-wetter-auswirkung-freileitungen-windenergieanlagen/
https://link.springer.com/article/10.1007/s10546-026-00996-3
https://www.bundestag.de/resource/blob/1128428/WD-8-060-25.pdf
https://www.energieatlas.bayern.de/sites/default/files/Flyer_Windkuemmerer_NaturUmwelt_LENK_012025_1mm.pdf
https://www.naturschutz-energiewende.de/fragenundantworten/158-wetter-auswirkung-freileitungen-windenergieanlagen/
Eiswurf und Eisfall
An den Rotorblättern von Windenergieanlagen kann sich im Herbst und Winter bei bestimmten Wetterlagen Eis bilden – insbesondere bei Temperaturen um 0 °C mit Nebel oder Regen. Ist die Anlage in Betrieb, können Eisstücke durch die Drehbewegung weggeschleudert werden. Das nennt man „Eiswurf". Steht die Anlage still oder befindet sich im Trudelbetrieb, fällt das Eis senkrecht zu Boden – das nennt man dann „Eisfall". Die gesetzlichen Vorgaben des Bundes-Immissionsschutzgesetzes sichern den Betrieb von Windenergieanlagen ab. Jede Anlage durchläuft daher auch eine standortspezifische Risikobewertung bezüglich Eiswurf oder Eisfall und erhält gegebenenfalls individuelle Auflagen. In Bayern werden Maßnahmen durch klare Vorgaben untermauert – von der Planung bis zum Betrieb. Mit fortschreitender Technik (bessere Sensorik, Enteisung) und strikt eingehaltenen Sicherheitskonzepten bleibt Eiswurf ein kontrolliertes, sehr unwahrscheinliches Ereignis.Moderne Windräder sind mit zertifizierten Eiserkennungssystemen ausgestattet, die die Anlagen bei Eisbildung automatisch abschalten und in eine festgelegte Position drehen, die Sicherheitsabstände z.B. zu öffentlichen Wegen einhält. Eine Rotorblattheizung sorgt dann dafür, dass die dünnen Eisschollen bei Stillstand oder Trudelbetrieb abrutschen und abfallen (Eisfall). Über dem Wald rutschen sie meist in das Geäst der Bäume. Die Anlage bleibt außer Betrieb, bis die Sensoren Entwarnung geben bzw. eine manuelle Inspektion die Eisfreiheit bestätigt. In unmittelbarer Nähe der Windenergieanlage selbst, d.h. z. B. auf der baumfreien Kranstellfläche, warnen Schilder vor der Möglichkeit eines Eisfalls.? Ein unbefugtes Betreten des Nahbereichs bei Eisfallbedingungen muss wirkungsvoll vermieden werden. Dazu ist der Zugang zu diesen Bereichen bei Eisfallbedingungen zu sperren und ein eindeutiges Warn- oder Verbotsschild anzubringen, um ein Betreten des Gefährdungsbereichs zu vermeiden.
In der über 20-jährigen Geschichte moderner Windenergieanlagen in Deutschland ist kein einziger Personenschaden durch Eiswurf oder Eisfall bekannt geworden. Weder in Bayern noch bundesweit wurden dadurch Menschen verletzt. Dieses Ergebnis ist auch den vorsorglichen Abschaltungen und Sicherheitsmaßnahmen zu verdanken.
Es sind jedoch vereinzelt Fälle dokumentiert, in denen parkende Autos in der Nähe von Windrädern durch herabfallende Eisstücke beschädigt wurden. Solche Fälle sind aber sehr selten und hielten sich in der Regel im Bereich kleinerer Lack- oder Glasschäden. Die Branche und Versicherer führen keine separate Statistik allein für Eiswurfschäden, doch Experten bestätigen, dass ernsthafte Vorfälle bisher ausgeblieben sind.
Eine stillstehende Windenergieanlage ist dabei prinzipiell mit jedem anderen hohen Bauwerk (Türme, Hochspannungsmasten, etc.) zu vergleichen. Bei diesen ist, in Abhängigkeit von ihrer Situierung, ebenso mit einer prinzipiellen Gefährdung von Passanten durch Eisfall zu rechnen.
Fazit: Eiswurf an Windenergieanlagen ist ein technisch beherrschbares Restrisiko. An kalten Tagen kann es zu Eisbildung und -abfall kommen, doch durch eine Kombination aus genügend Abstand, moderner Eiserkennung mit automatischer Abschaltung und organisatorischen Vorkehrungen wird die Gefahr so weit reduziert, dass sie vergleichsweise geringer ist als viele alltägliche Risiken.
Die meisten Windenergieanlagen im Landkreis besitzen neben der automatischen Eisansatzerkennung auch eine Rotorblatt-Heizung, sodass bei der Erkennung von Eisansatz die Anlagen in eine sichere Parkposition gedreht werden können und dort der Eisansatz im Stillstand abgetaut werden kann.
Ergänzend wurden und werden von den Betreibern an Wander- bzw. Forstwegen Warnschilder aufgestellt, die auf die nicht gänzlich vermeidbaren Gefahren bei Eisfallbedingungen hinweisen. Der Allgemeinheit ist nach aktueller Rechtslage zuzumuten, bei Frostbedingungen die Hinweisschilder zu einer Gefährdung durch Eisfall zu beachten und den Weg ggf. nicht zu benutzen.
Physikalische Grundlagen
Technische Maßnahmen
Risikobewertung und Genehmigung
Akzeptabel bedeutet, dass ein Risiko zwar vorhanden ist, aber so gering, dass keine weiteren Maßnahmen nötig sind. Tolerabel heißt, das Risiko ist höher als wünschenswert, aber mit geeigneten zusätzlichen Maßnahmen noch hinnehmbar. Inakzeptabel schließlich bedeutet, dass ohne grundlegende Änderungen der Planung das Vorhaben so nicht genehmigungsfähig wäre.
https://www.buergerforum-energiewende-hessen.de/bfeh/giessen_06_06_2018/Faktenpapier_Sicherheit_Windenergieanlagen_2018.pdf
https://www.energieatlas.bayern.de/erneuerbare-energien/windenergie/wissen/emissionen/eiswurf-eisfall
https://iea-wind.org/wp-content/uploads/2021/09/Task19_Recommendations_ice_throw_2018.pdf
https://www.landkreis-pfaffenhofen.de/media/18972/risk-analysis-of-ice-throw-from-wind-turbines.pdf
https://www.gesetze-im-internet.de/bimschg/BJNR007210974.html
https://nrwe.justiz.nrw.de/ovgs/ovg_nrw/j2016/8_B_866_15_Beschluss_20160506.html
Finanzielle Teilhabe und Beteiligung
Flächeneigentümer
Eigentümer von Flächen, die für die Anlage benötigt werden (Standfläche, Kranstellfläche, Zuwegung, Ausgleichsfläche) bekommen vom Betreiber jährliche Pachteinnahmen. Diese ist abhängig von der Standortgüte. Bei Poolmodellen tun sich die Eigentümer von Flächen rund um eine Anlage zusammen und teilen Pachteinnahmen nach vertraglich festgelegten Regeln prozentual auf. Dies bietet sich auch dort an, wo viele Eigentümer in einem Vorranggebiet liegen und zu Projektbeginn nicht klar ist, auf welchen Grundstücken die Anlagen letztendlich realisiert werden.
Kommunen
Kommunen können auf unterschiedlichen Wegen von Windenergieanlagen profitieren. Ohne aktive Teilhabe sind Einnahmen durch Pacht möglich, wenn die Kommune über entsprechende Flächen verfügt. Eine weitere Möglichkeit ist die Kommunalbeteiligung nach § 6 EEG 2023, wonach Kommunen, deren Gemeindegebiet sich ganz oder teilweise innerhalb eines Umkreises von 2,5 km um eine Windenergieanlage befindet, bis zu 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde erhalten können. Die Zahlung erfolgt freiwillig und wird entsprechend dem Flächenanteil auf die beteiligungsberechtigten Kommunen aufgeteilt. Der Betreiber kann sich die Zahlungen unter bestimmten Voraussetzungen vom Netzbetreiber erstatten lassen. Diese freiwillige Regelung gilt auch für Bestandsanlagen.
Mit der seit Januar 2026 geltenden bayerischen Beteiligungsregelung (Art. 24 BayWiVG) ist die Gemeindebeteiligung für neue Windenergieprojekte in Bayern verpflichtend. Vorhabenträger müssen die beteiligungsberechtigten Gemeinden ab Inbetriebnahme der ersten Anlage für mindestens 20 Jahre, längstens jedoch bis zur endgültigen Außerbetriebnahme der Anlage, angemessen beteiligen. Die Beteiligung kann über Direktzahlungen oder individuell vereinbarte Beteiligungsmodelle erfolgen. Auch eine Beteiligung nach § 6 EEG 2023 in Höhe von insgesamt 0,2 Cent pro tatsächlich eingespeister Kilowattstunde erfüllt diese Verpflichtung. Kommt der Vorhabenträger seiner Beteiligungspflicht nicht nach, können die Gemeinden eine Ausgleichsabgabe von insgesamt bis zu 0,3 Cent pro eingespeister Kilowattstunde erheben.
Den Standortkommunen kommen zudem 90 % der Gewerbesteuern zu, 10 % entfallen auf den Verwaltungssitz der Betreibergesellschaft. Wegen der zunächst hohen Abschreibungen fließen die Steuern allerdings häufig erst nach mehreren Jahren. Darüber hinaus können sich Kommunen auch unmittelbar an Windenergieprojekten beteiligen und dadurch zusätzliche Einnahmen erzielen. Je stärker eine Kommune finanziell in ein Windenergieprojekt eingebunden ist, desto höher sind die möglichen Erlöse, von denen indirekt alle Bürgerinnen und Bürger profitieren können.
Bürgerbeteiligung
Bürgerinnen und Bürger können indirekt über die Kommunalbeteiligung von Windenergieanlagen profitieren oder sich direkt finanziell an Windenergieprojekten beteiligen. Eine Möglichkeit hierfür ist die Mitgliedschaft in einer Bürgerenergiegenossenschaft (BEG). Durch den Erwerb von Genossenschaftsanteilen können Mitglieder an den Gewinnen der Projekte beteiligt werden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, sich über Nachrangdarlehen mit einer vertraglich vereinbarten Verzinsung finanziell an Projekten zu beteiligen.
Darüber hinaus sieht Art. 25 BayWiVG weitere Formen der Bürgerbeteiligung vor. Dazu zählen unter anderem die Beteiligung an Projektgesellschaften, der Erwerb von Windenergieanlagen oder Anlagenteilen sowie die Beteiligung über verschiedene Anlageprodukte. Auch vergünstigte lokale Stromtarife, Sparprodukte oder die Förderung gemeinnütziger Einrichtungen und lokaler Ladeinfrastruktur können dazu beitragen, dass Bürgerinnen und Bürger von Windenergieprojekten vor Ort profitieren.
Beispiel Bürgerwindpark Hohenkammer
Beim Bürgerwindpark Hohenkammer der Bürgerenergiegenossenschaften Freisinger Land und HaPeVi ist die finanzielle Bürgerbeteiligung bereits abgeschlossen. Insgesamt wurden 5 Mio. Euro Eigenkapital durch Bürgerbeteiligung mobilisiert. Bürgerinnen und Bürger aus Hohenkammer, Reichertshausen und Petershausen, die sich über ein Nachrangdarlehen am Projekt beteiligt haben, können zudem ab Inbetriebnahme des Windparks einen vergünstigten Bürgerstromtarif („Bürger-Strom-Plus") von derzeit 26,4 Cent/kWh nutzen. Der Baubeginn der beiden Windenergieanlagen ist für Anfang 2027, die Inbetriebnahme für Ende 2027 vorgesehen.
Quellen:
https://www.bundestag.de/resource/blob/946280/WD-5-025-23-pdf.pdf
https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayZustWiG-24
https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayZustWiG-25
https://www.gesetze-im-internet.de/eeg_2014/__6.html
https://www.windindustrie-in-deutschland.de/fachartikel/in-3-schritten-zur-rechtssicheren-beteiligung-von-kommunen
https://www.bestellen.bayern.de/lfu-klima-00217
https://www.fachagentur-wind-solar.de/wind/finanzielle-teilhabe
https://beg-fs.de/buerger-windpark-hohenkammer/
Strompreisbildung
- Kosten für Strombeschaffung, Vertrieb, Service und Dienstleistungen des Lieferanten (ca. 41 %, 15,2 ct/kWh)
- Regulierte Netzentgelte für Kosten der Netzinfrastruktur, die regional variieren (ca. 25 %, 9,2 ct/kWh)
- Steuern, Abgaben und Umlagen als staatlich veranlasste Preisbestandteile (ca. 34 %, 12,6 ct/kWh)
Der Ausbau der erneuerbaren Energien, insbesondere der Windkraft, erfordert umfangreiche Investitionen in den Ausbau und die Verstärkung der Stromnetze. Diese Kosten werden über die Netzentgelte auf alle Verbraucher umgelegt und führen zu steigenden Strompreisen. Kritiker sehen darin eine finanzielle Belastung, die durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien verursacht wird. Gleichzeitig bleibt die tatsächliche Entlastung für Verbraucher oft hinter den Erwartungen zurück, da trotz Windkraftausbau die Strompreise hoch bleiben oder steigen können.
2. Großhandelspreis
Der Großhandelspreis ist eine wesentliche Grundlage für die Strombeschaffungskosten der Stromversorger, die Strom an der Börse oder im außerbörslichen Handel einkaufen. Seit der Energiekrise 2022 sind die Großhandelspreise zwar deutlich gesunken, liegen im Durchschnitt aber weiterhin über dem Niveau vor der Krise. Die Preisentwicklung wird unter anderem durch die Kosten für Erdgas und CO?-Emissionszertifikate, geopolitische Unsicherheiten sowie das Verhältnis von Stromangebot und -nachfrage beeinflusst. Dabei spielen insbesondere die wetterabhängige Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und die Verfügbarkeit konventioneller Kraftwerke eine wichtige Rolle.
Aktuelle Börsenstrompreise und ihre zeitliche Entwicklung finden Sie z.B. auf den Seiten der Energy-Charts der Frauenhofer-Gesellschaft:
https://energy-charts.info/charts/price_average/chart.htm?l=de&c=DE&stackLabelPartSumDecimals=2&year=2026&month=-1
Stromgroßhandel
Der Stromgroßhandel setzt sich aus börslichem und außerbörslichem Großhandel zusammen.
Der Stromhandel in Deutschland basiert laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) größtenteils auf langfristigen Abnahmeverträgen, die direkt zwischen den Stromerzeugern und den Energieversorgern abgeschlossen werden. Dieses außerbörsliche Stromhandelsgeschäft wird auch OTC-Handel, Freihandel oder Direkthandel genannt. Weite Teile der Kraftwerksleistung werden bereits im Voraus verkauft. So können Stromkäufer – von der Großindustrie bis zu städtischen Energieversorgern – Preisschwankungen vermeiden und Erzeuger können ihre Investitionen besser planen.
An der Strombörse werden die restlichen Strommengen mit unterschiedlichen Zeithorizonten gehandelt:
- Terminmarkt: Hier werden mittel- und langfristige Verträge geschlossen. Die Preisentwicklung am Terminmarkt ist wesentlich für die Kosten, die den Energieversorgern beim Gas- und Stromeinkauf entstehen und die sich in den Preisen für Haushaltskunden niederschlagen.
- Spotmarkt: Hier wird Strom sehr kurzfristig gehandelt, für den Folgetag am Day-Ahead-Markt, sowie für den aktuellen Tag am Intraday-Markt.
Grundsätzlich ist für die Netzstabilität und die Versorgungssicherheit entscheidend, dass Stromangebot und -nachfrage ausgeglichen sind und nur so viel Strom ins Netz eingespeist wird, wie auch verbraucht wird. Dazu gibt es einen Bilanzkreis als virtuelles Energiemengenkonto, das vom Übertragungsnetzbetreiber geführt wird. Hier wird sichergestellt, dass Stromabnahme und -erzeugung innerhalb der Regelzone für den Folgetag in jeder Viertelstunde übereinstimmen. Die sogenannten Bilanzkreisverantwortlichen (Erzeuger, Stromhändler, Vertriebe und große Industrieverbraucher) müssen im Vorfeld einen Fahrplan vorlegen und die Ein- und Ausspeisung genau planen, damit ihre Bilanz ausgeglichen ist. Am Tag vor dem Lieferdatum bereiten sie auf Grundlage der bestehenden Verträge, die im Terminmarkt in der Regel Jahre im Voraus vereinbart wurden, diese optimierte Einsatzplanung vor.
Noch frei verfügbare Erzeugungskapazitäten und der über das EEG geförderte Strom aus Erneuerbaren werden dann am Spotmarkt im Day-Ahead-Handel in einem Auktionsverfahren nach dem Merit-Order-Prinzip verkauft. Einkäufer beschaffen hier ihre Restmengen oder verkaufen Überschüsse, wenn die Prognosen sich geändert haben. Für noch kurzfristigere Korrekturprozesse, etwa bei aktualisierten Wettervorhersagen für Einspeisung von erneuerbarem Strom, gibt es den Intraday-Handel. Für die letzten Abweichungen beschaffen die Übertragungsnetzbetreiber Regelenergie, die auf Anweisung abgerufen werden kann.
Die Börsenstrompreise des Spotmarkts finden Sie auf den Seiten der Energy-Charts der Frauenhofer-Gesellschaft:
In sehr seltenen Situationen kann der Strompreis am Spotmarkt auch negativ werden: Wenn das Angebot – etwa durch sehr hohe Einspeisungen aus Wind und Sonne – die Nachfrage deutlich übersteigt und nur begrenzte Flexibilität im Netz oder in der Erzeugung vorhanden ist, resultieren negative Preise. Das bedeutet, dass Erzeuger dafür bezahlen müssen, Abnehmer für ihren Strom zu finden, weil konventionelle Anlagen oft nicht schnell genug abgeregelt werden können und es zu einem Überangebot kommt. Solche negativen Preisphasen treten besonders an Wochenenden, Feiertagen oder bei starker Einspeisung Erneuerbarer auf und werden durch das Merit-Order-Prinzip am Spotmarkt sichtbar. Laut Bundesnetzagentur traten 2025 in 6,5 % der Stunden negative Großhandelspreise für Strom auf.
Preisbildung am Strommarkt nach dem Merit-Order-Prinzip
Der über das EEG geförderte Strom aus Erneuerbaren wird am Spotmarkt im Day-Ahead-Handel verkauft. Als Preisfindungsverfahren fungiert hier das Merit-Order-Prinzip, bei dem im Zusammenspiel von preisabhängigem Angebot und Nachfrage ein Markträumungspreis entsteht, d.h. der Gleichgewichtspreis, bei dem Angebot und Nachfrage übereinstimmen. Für die Einsatz-Reihenfolge werden zunächst alle Kraftwerksangebote aufsteigend nach ihren Grenzkosten, d.h. ihren variablen Stromerzeugungskosten, geordnet. In den Kosten für jede erzeugte MWh sind hier nur die direkt durch die Stromproduktion entstehenden Kosten und keine Fixkosten enthalten. Es handelt sich dabei überwiegend um Brennstoffkosten, aber auch Kosten für Emissionszertifikate. Anders als bei Anlagen erneuerbarer Energien müssen Betreiber von Kohle- oder Gaskraftwerken also Geld ausgeben, wenn sie Strom erzeugen wollen. In der Einsatz-Reihenfolge wird zuerst der günstigste Strom genutzt, dann teurere Kraftwerke, bis die Nachfrage gedeckt ist. Müssen an Tagen mit wenig Strom aus erneuerbaren Energien Gaskraftwerke zugeschaltet werden, steigen die Börsenpreise daher an.
Der Preis wird im Merit- Order-Prinzip also durch das teuerste noch benötigte Kraftwerk festgelegt. Dieses System schafft Transparenz und Effizienz: Es gewährleistet, dass der Bedarf stets zum niedrigsten möglichen Preis gedeckt wird, da kein teureres Kraftwerk zum Zuge kommt, solange günstigere Kapazitäten verfügbar sind.
Einfluss erneuerbarer Energien auf die Strompreise
Auswirkungen erneuerbarer Energien auf die Strompreise
Wind- und Solarenergie haben aufgrund ihrer niedrigen kurzfristigen Erzeugungskosten einen preisdämpfenden Effekt auf die Großhandelsstrompreise. Durch den sogenannten Merit-Order-Effekt verdrängen sie teurere fossile Kraftwerke aus der Stromerzeugung. An windreichen oder sonnigen Tagen sinken die Börsenstrompreise daher häufig deutlich. Umgekehrt können die Preise steigen, wenn wenig erneuerbarer Strom verfügbar ist und teurere konventionelle Kraftwerke, insbesondere Gaskraftwerke, zur Deckung der Nachfrage benötigt werden.
Während der Energiekrise 2022 führten insbesondere die stark gestiegenen Erdgaspreise zu außergewöhnlich hohen Strompreisen. Da Gaskraftwerke häufig den marktbestimmenden Preis setzten, wirkten sich die hohen Gaspreise unmittelbar auf den Stromgroßhandel aus. Gleichzeitig erreichte die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien neue Höchststände und begrenzte dadurch den Bedarf an teurer fossiler Stromerzeugung. Ohne diesen Beitrag wären die Strompreise voraussichtlich noch stärker gestiegen.
Grundsätzlich gilt: Je mehr günstiger erneuerbarer Strom zur Verfügung steht, desto seltener werden teure fossile Kraftwerke zur Deckung der Stromnachfrage benötigt. Dadurch sinkt tendenziell das durchschnittliche Preisniveau am Großhandelsmarkt. Gleichzeitig kann der wachsende Anteil wetterabhängiger Stromerzeugung zu stärkeren kurzfristigen Preisschwankungen führen. Um diese auszugleichen, sind neben dem Ausbau erneuerbarer Energien zusätzliche Maßnahmen zur Flexibilisierung des Stromsystems erforderlich. Dazu zählen insbesondere Energiespeicher, flexible Stromverbraucher, steuerbare Kraftwerke und der Ausbau der Stromnetze.
Kosten des Netzausbaus
Die Energiewende erfordert erhebliche Investitionen in die Stromnetzinfrastruktur. Gründe hierfür sind neben dem Ausbau erneuerbarer Energien insbesondere die zunehmende Elektrifizierung des Verkehrs-, Wärme- und Industriesektors sowie die Modernisierung bestehender Stromnetze.
Die Kosten für Betrieb, Instandhaltung, Modernisierung und Ausbau der Netzinfrastruktur werden überwiegend über die Netzentgelte finanziert, die von den Stromverbrauchern getragen werden. Im Jahr 2025 machten diese für Haushaltskunden mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3.500 kWh durchschnittlich rund 13 ct/kWh beziehungsweise 24 % des Endverbraucherpreises aus.
Der von der Bundesnetzagentur bestätigte Netzentwicklungsplan 2023–2037/2045 sieht zusätzlich zu den bereits geplanten Maßnahmen rund 4.800 Kilometer neue Übertragungsleitungen sowie die Verstärkung von etwa 2.500 Kilometern bestehender Verbindungen vor. Hinzu kommen umfangreiche Ausbaumaßnahmen in den regionalen Verteilnetzen.
Eine Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) aus dem Jahr 2024 schätzt den gesamten Investitionsbedarf für den Ausbau der deutschen Stromnetze bis 2045 auf rund 651 Milliarden Euro. Eine weitere Untersuchung der ef.Ruhr GmbH aus demselben Jahr kommt auf etwa 732 Milliarden Euro. Die tatsächlichen Kosten hängen unter anderem von der Entwicklung des Strombedarfs, den technologischen Rahmenbedingungen und der konkreten Ausgestaltung des Netzausbaus ab. Entsprechend handelt es sich um langfristige Schätzungen, die mit Unsicherheiten verbunden sind.
Die Investitionen in Stromnetze und neue Technologien sind wesentliche Bestandteile einer langfristig klimaverträglichen Energieversorgung. Zwar entstehen dadurch zunächst hohe Kosten, gleichzeitig kann die Elektrifizierung in Verbindung mit erneuerbaren Energien langfristig fossile Brennstoffimporte ersetzen, die Abhängigkeit von volatilen Rohstoffpreisen verringern und Klimafolgekosten vermeiden. Wie sich diese Entwicklungen auf die gesamten Stromkosten auswirken, hängt wesentlich davon ab, wie effizient der Netzausbau erfolgt und wie gut Erzeugung, Verbrauch und Speicherung aufeinander abgestimmt werden.
Zukünftige Entwicklung der Strompreisbildung
Das Merit-Order-Prinzip wird auch künftig eine zentrale Rolle bei der Preisbildung am Stromgroßhandelsmarkt spielen. Es sorgt dafür, dass die Stromnachfrage grundsätzlich durch die jeweils kostengünstigsten verfügbaren Erzeugungsangebote gedeckt wird. Dabei profitieren insbesondere Wind- und Solarenergie von ihren niedrigen Grenzkosten.
Die Energiekrise hat jedoch auch die Schwächen eines Strommarktes aufgezeigt, in dem hohe Brennstoffpreise einzelner preissetzender Kraftwerke zu starken Preissteigerungen führen können. Davon profitieren zeitweise sogenannte inframarginale Erzeuger, deren eigene Stromerzeugungskosten deutlich unter dem aktuellen Marktpreis liegen.
Um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffpreisen zu reduzieren und Investitionen in neue Erzeugungskapazitäten abzusichern, gewinnen ergänzende Marktmechanismen an Bedeutung. Hierzu gehören langfristige Stromlieferverträge (Power Purchase Agreements, PPAs) und Differenzverträge (Contracts for Difference, CfDs), die Stromerzeugern und gegebenenfalls Stromabnehmern eine größere Planungssicherheit ermöglichen.
Gleichzeitig können Energiespeicher, flexible Stromverbraucher und eine bessere Vernetzung der Strommärkte dazu beitragen, Stromangebot und Nachfrage stärker aufeinander abzustimmen und extreme Preisschwankungen zu begrenzen. Mit zunehmendem Ausbau der Windenergie sinkt damit grundsätzlich die Abhängigkeit der Stromversorgung von fossilen Brennstoffen. Entscheidend für die zukünftige Strompreisentwicklung ist jedoch nicht allein der Ausbau erneuerbarer Energien, sondern deren Integration in ein zunehmend flexibles und leistungsfähiges Stromsystem.
Politische und wirtschaftliche Diskussionen zu Strompreisen, Netzentgelten und Marktdesign
Die Funktionsweise der Merit-Order und ihre Auswirkungen auf die Strompreise sind Gegenstand energiepolitischer Diskussionen. Insbesondere seit der Energiekrise 2022 wird verstärkt darüber diskutiert, wie das bestehende Strommarktdesign weiterentwickelt werden kann, um extreme Preisschwankungen abzufedern, Investitionssicherheit zu gewährleisten und Verbraucherinnen und Verbraucher vor hohen Stromkosten zu schützen.
Debatte um das Strommarktdesign
Die stark gestiegenen Gaspreise während der Energiekrise 2022/23 führten zu außergewöhnlich hohen Strompreisen an der Börse. Dadurch geriet auch das Merit-Order-Prinzip in die Kritik: Da der Börsenstrompreis grundsätzlich durch das teuerste noch zur Deckung der Nachfrage benötigte Kraftwerk bestimmt wird, konnten auch Stromerzeuger mit niedrigen Produktionskosten hohe Markterlöse erzielen. Dies betraf unter anderem Betreiber von Wind-, Solar- und Wasserkraftanlagen sowie konventionelle Kraftwerke, deren Erzeugungskosten nicht im gleichen Maße gestiegen waren.
In der Folge wurde verstärkt über sogenannte Übergewinne und deren Abschöpfung diskutiert. Die EU beschloss deshalb 2022 eine befristete Erlösobergrenze für bestimmte Stromerzeuger. In Deutschland wurde auf dieser Grundlage eine Überschusserlösabschöpfung eingeführt, die vom 1. Dezember 2022 bis zum 30. Juni 2023 galt. Dabei wurde ein Teil der Erlöse oberhalb technologiespezifischer Referenzwerte abgeschöpft, um staatliche Entlastungsmaßnahmen mitzufinanzieren.
Die Energiekrise führte darüber hinaus zu einer grundlegenden Diskussion über die Weiterentwicklung des europäischen Strommarktdesigns. Im Juli 2024 trat eine EU-Strommarktreform in Kraft, die insbesondere langfristige Stromlieferverträge (Power Purchase Agreements, PPAs) und zweiseitige Differenzverträge (Contracts for Difference, CfDs) stärkt. Diese Instrumente sollen für stabilere Einnahmen der Stromerzeuger und langfristig planbarere Strombeschaffungskosten sorgen sowie die Abhängigkeit der Verbraucherpreise von kurzfristigen Preisschwankungen am Großhandelsmarkt reduzieren. Das grundlegende Merit-Order-Prinzip bleibt dabei bestehen.
Strompreisbremse für Verbraucher
Zur Entlastung von Haushalten und Unternehmen führte die Bundesregierung 2023 eine zeitlich befristete Strompreisbremse ein. Für private Haushalte wurde der Strompreis für 80 % des prognostizierten Jahresverbrauchs auf 40 ct/kWh brutto begrenzt. Die Entlastung galt rückwirkend ab Januar 2023 und wurde ab März 2023 umgesetzt. Die Regelung endete zum 31. Dezember 2023.
Finanziert wurden die Entlastungen überwiegend aus staatlichen Mitteln über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Die zeitlich befristete Abschöpfung von Überschusserlösen bestimmter Stromerzeuger trug ergänzend zur Finanzierung bei.
Die Strompreisbremse veränderte dabei nicht die grundsätzliche Preisbildung an der Strombörse, sondern reduzierte die finanzielle Belastung der begünstigten Stromverbraucher.
Netzentgelte und weitere staatliche Entlastungsmaßnahmen
Seit Januar 2026 setzt die Bundesregierung weitere Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten um, die private Haushalte und Unternehmen um insgesamt rund 10 Milliarden Euro jährlich entlasten sollen.
Ein wesentlicher Bestandteil ist der staatliche Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten. Im Jahr 2026 stellt der Bund hierfür 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds zur Verfügung. Für die Jahre 2027 bis 2029 ist eine Fortführung der Zuschüsse mit jeweils rund 5,5 Milliarden Euro jährlich vorgesehen. Dadurch sollen die Netzentgelte und damit die Stromkosten für Haushalte und Unternehmen reduziert werden. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3.500 kWh ergibt sich 2026 eine geschätzte Entlastung von rund 100 Euro.
Darüber hinaus wurde die Stromsteuer für Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie der Land- und Forstwirtschaft dauerhaft auf den europäischen Mindeststeuersatz gesenkt. Zur Unterstützung besonders strom- und handelsintensiver Industrieunternehmen wurde zudem ein Industriestrompreis für die Jahre 2026 bis 2028 eingeführt. Ergänzend besteht die Strompreiskompensation, die bestimmte Unternehmen für indirekte CO?-Kosten im Strompreis entlastet.
Seit dem 1. Januar 2026 entfällt außerdem die Gasspeicherumlage. Dadurch sinken die Gasbezugskosten für Verbraucher und Unternehmen. Da Erdgas weiterhin zur Stromerzeugung eingesetzt wird und Gaskraftwerke zeitweise den Börsenstrompreis bestimmen, kann diese Maßnahme indirekt auch dämpfend auf die Strompreise wirken.
Quellen
https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2023/08/20230818-erste-zahlen-zur-ueberschusserloesabschoepfung-nach-strompreisbremsengesetz.html
https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Beschlusskammern/BK04/BK4.html
https://energy.ec.europa.eu/topics/markets-and-consumers/electricity-market-design_en
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/niedrigere-netzentgelte-2382396
https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2026/04/20260416-industriestrompreis-wird-eingefuehrt.html
https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2024/20240301_NEP.html
https://www.ewi.uni-koeln.de/de/publikationen/abschaetzung-der-netzausbaukosten-und-die-resultierenden-netzentgelte-fuer-baden-wuerttemberg-und-deutschland-zum-jahr-2045/
https://www.imk-boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-009011
https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/NEP/Strom/artikel.html
https://www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/bdew-strompreisanalyse/
https://www.bundestag.de/resource/blob/922150/ef7b04eda9b6b5034876248539891467/WD-5-111-22-pdf-data.pdf
https://de.statista.com/infografik/34734/zusammensetzung-des-strompreises-fuer-haushaltskunden/
https://www.bdew.de/media/documents/Pub_20220907_Merit_Order.pdf
https://www.bdew.de/online-magazin-zweitausend50/geld/strom-und-energie-warum-dieser-preis/
https://de.wikipedia.org/wiki/Bilanzkreis
https://www.ffe.de/veroeffentlichungen/dynamische-darstellung-der-aktuellen-merit-order-deutscher-kraftwerke/
https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/20260105_Smard.htm
https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/studie-stromgestehungskosten-erneuerbare-energien.html
https://www.pv-magazine.de/2023/03/15/eu-kommission-macht-vorschlag-zur-strommarktreform-merit-order-bleibt/
https://www.bpb.de/themen/wirtschaft/energiepolitik/562452/wie-kommt-der-strompreis-zustande/
https://www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2022/heft/10/beitrag/optionen-und-herausforderungen-fuer-ein-neues-strommarktdesign-in-der-krise.html
https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Dossier/2026-wird-energie-spuerbar-guenstiger.html


